Ein fliehendes Pferd


Im Buch von Martin Walser bin ich auf folgende Passage aufmerksam geworden. Es ging um's Erinnern.
Die beiden Protagonisten können sich sehr unterscbiedlich an ihre Vergangenheit erinnern. Während der eine, Helmut Buch, sich an jedes Detail auch weit zurückliegender Ereignisse erinnern kann, sind es bei dem anderen wie er berichtet nur tote Plätze, nichts lebendiges. Es ist höchst unterschiedlich, wie man sich erinnert. Manche, so scheint es haben ein Elefantengedächtnis, andere, dazu zähle ich mich haben das Gefühl, ziemlich schnell zu vergessen, oder man merkt sich nur den Unsinn.
Das ist das Problem: Die Erinnerung kann man nicht steuern. Ich denke aber, man merkt sich sehr viel, nur ist es ein Problem des Zugriffs, den wir nicht steuern können. Gäbe es dafür ein Training? Das wäre nicht schlecht. Es gibt ja sowas wie Gedächtnistraining, aber das trainiert wohl nur die Merkfähigkeit nicht die Erinnerung als solche.

In dem Buch ist dann später auch vom fliehenden Pferd die Rede. Man soll sich einem fliehenden Pferd nicht von vorne nähern, sonst geht es wieder durch. Man soll sich ihm von der Seite nähern, so daß es das Gefühl hat, es könnte wieder losrennen, im anderen Fall engt man es ein. So ähnlich ist es auch mit mir: ich muß die Perspektive haben, etwas zu tun, auch wenn man sie vielleicht nicht ausnutzt, so muß der Weg doch frei bleiben.

Pferde sind faszinierende Wesen. Nicht umsonst eignen sie sich als Therapietiere. Sie haben so eine beruhigende Ausstrahlung. Ein Pferd auf einer Weide zu sehen ist pure Beruhigung, daher ist ein fliehendes Pferd eine Irritation, es scheint nicht zu dem Tier zu passen. Obwohl, Pferde sind auch kraftvolle Tiere, die auch gern mal springen, auch vor Freude. Dann ist Vorsicht geboten, da ein Hufschlag zu schweren Verletzungen führen kann, wie ich letztens in meinem Bekanntenkreis hörte.